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Steinkohlenteer nur noch auf Rezept

Der Bundesrat hat am 19. Mai 2000 einer Änderungsverordnung des Bundesgesundheitsministeriums zugestimmt. Demnach werden zum 1. Juli die als Arzneimittel zugelassenen Präparate Basiter, Berniter und Tarmed verschreibungspflichtig. Sie enthalten Steinkohlenteer, der vor drei Jahren schon in Kosmetika wegen der krebserzeugenden Inhaltsstoffe verboten worden war. Dies meldet die Zeitschrift PSO aktuell (Heft 2/2000) und verweist auf ihren Bericht im Dezember 1997, der ausführlich darstellte, warum die Krebserzeuger in Steinkohlenteer bei therapeutischer Anwendung keine Krebsgefahr bedeuten. In den USA hat die Gesundheitsbehörde FDA, deren strenge Richtlinien für Nahrungs- und Arzneimittel international als vorbildlich gelten, die freiverkäuflichen Steinkohlenteer-Shampoos als "sicher und wirksam" eingestuft. In Europa wurde jedoch Frankreich zum Vorreiter der Rezeptpflicht für das seit über hundert Jahren bei chronischen Hautkrankheiten erprobte Wirkstoffgemisch. Dadurch verursachte Krebswucherungen sind äußerst selten beobachtet worden, und zwar nur nach ununterbrochenem Dauergebrauch, vor allem in Körperregionen wie der Leistenbeuge, am Hodensack oder um den After, wo verstärkt schädliche Substanzen aufgenommen werden. Dies zählte ebenso wie angeborene Störungen mit erhöhter Geschwulstneigung zu den Gegenanzeigen, die erfahrene Psoriatiker im eigenen Interesse beachten. Dazu benötigen sie also gewiss nicht die ärztliche Erlaubnis, sich die bewährten Produkte mit Steinkohlenteer selbst zu kaufen. Denn auf Kassenrezept werden sie von Hautärzten angesichts des knappen Arzneimittelbudgets auch künftig kaum verordnet werden.

Diese Befürchtung hat sich inzwischen bestätigt. Anfang 2002 wurden Poloris® Lotion und Fettcreme „aus wirtschaftlichen Gründen" vom Markt genommen. Auch die Galderma Laboratorium GmbH bietet seit November 2002 ihr Produkt Basiter®, das 0,4 Prozent gereinigten Steinkohlenteer enthielt, nicht mehr an. Die einseitig alarmierende Diskussion um die Gefahren der Teerbehandlung habe ein „lange bekanntes und unter fachärztlicher Kontrolle risikoarm zu verwendendes Arzneimittel in Misskredit" gebracht, teilte das Unternehmen mit. Die „deutliche Reduktion der Verordnungszahlen...führte dazu, dass wir das Präparat Basiter® nicht mehr kostendeckend vertreiben können." Weiterhin verfügbar sei Berniter®. Dieses Gel mit 0,5 % Steinkohlenteer ist aber nur für die unterstützende Therapie bei Psoriasis der Kopfhaut zugelassen. Ebenfalls noch im Handel ist Teer-Linola®-Fett Creme (2 Prozent Steinkohlenteerdestillat). Dabei beschränkt sich das offiziell genehmigte Anwendungsgebiet auf chronisches Ekzem, Neurodermitis. Dagegen wird Exorex® Lotion mit 1 Prozent Steinkohlenteerextrakt ausdrücklich zur Behandlung der Schuppenflechte auf Haut und Kopfhaut empfohlen. Das aus Südafrika stammende Produkt wurde 1998 in Österreich, Luxemburg, Holland, Spanien und Irland zugelassen. Für Deutschland und andere EU-Staaten wird dies 2003 erwartet. Solange können Patienten hierzulande mit einem ärztlichen Rezept über das Internet bestellen.

Viele Patienten haben sehr gute Erfahrungen mit Teer. Die modernen Zubereitungen sind hinsichtlich Farbe und Geruch durchaus akzeptabel Sie eignen sich besonders zur preiswerten Nachbehandlung, wenn die akute Entzündung z. B. durch Kortison abgeklungen ist. Die sporadische Anwendung des altbewährten Steinkohlenteers bleibe „weiterhin vertretbar", hat vor kurzem noch Prof. Roland Niedner von der Hautklinik Potsdam den unkritischen Krebswarnungen entgegen gehalten.

 

 

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