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Pflegetherapie mit Harnstoff unverzichtbar

Harnstoff ist ein natürlicher Feuchthaltefaktor. Er kann verhindern, dass die Haut infolge übertriebener Reinigung, Alter oder krankhafter Vorgänge rau und rissig wird. Bei Schuppenflechte gleicht die regelmäßige Anwendung entsprechender Präparate den Mangel an Harnstoff in den Psoriasis-Herden aus und schützt vor einer weiteren Austrocknung der noch nicht betroffenen Haut. Diese wird auch durch Bade-/ Lichtbehandlung oder Einnahme von Neotigason® begünstig und kann ihrerseits auslösender Reiz für neue Erscheinungen sein. Demnach eignet sich Harnstoff vorbeugend und ergänzend zu gezielten Maßnahmen als Basistherapie, die zudem den aufgrund der überstürzten Zellteilung gestörten Verhornungsprozess in der Oberhaut normalisieren hilft. So lassen sich stärkere Mittel, die nicht nur wesentlich teuerer sind, sondern auch unerwünschte Wirkungen haben, einsparen. 

Harnstoff nützt den chronisch Hautkranken dagegen, ohne dass Schäden zu befürchten sind. Er muss allerdings richtig zubereitet und dem jeweiligen Zustand angemessen dosiert werden. Sonst kann das Eincremen unangenehm brennen und reizen. Bei empfindlicher sowie akut entzündeter Haut grenzen Konzentrationen über 10 Prozent „fast an Körperverletzung". Darauf hatten dermatologische Sachverständige schon Anfang 2002 bei einer Anhörung im Gesundheitsausschuss hingewiesen. „Präparate mit drei bis fünf Prozent wären zweckmäßig, obendrein notwendig und wirtschaftlich", betonte damals die Zeitschrift PSO aktuell 1/2002, Seite 20. In der Ausgabe 2/2003, Seite 10 wird kritisiert, dass der Entwurf zur Positivliste der künftig noch auf Kassenrezept erlaubten Medikamente an der unsinnigen Schwelle von „mindestens zehn Prozent" Harnstoff festhält. Demnach wären vielfach bewährte Arzneimittel nicht mehr erstattungsfähig. Als Beispiel nannte „Der Ratgeber bei Schuppenflechte" in einer Notiz das jetzt auch als Lotion zum großflächigen Auftragen verfügbare Optiderm®. Es enthält fünf Prozent Harnstoff und drei Prozent Polidocanol, eine Substanz, die den oft mit trockener Haut verbundenen Juckreiz vermindert. Nach dem Kompromiss zur Gesundheitsreform wird nun die Positivliste ebenso wie der bereits gültige Katalog der von der Kassen-Erstattung ausgeschlossenen Arzneimittel (Negativliste) für entbehrlich gehalten, auch wegen der neu geregelten Kostenübernahme für nicht verschreibungspflichtige Präparate, die grundsätzlich aus eigener Tasche zu zahlen seien. Ausgenommen bleiben Kinder bis zum 12. Lebensjahr sowie Jugendliche mit Entwicklungsstörungen. Darüber hinaus sollen bei bestimmten Indikationen solche Mittel weiterhin erstattungsfähig sein. Dazu müsste unbedingt Neurodermitis, Fischschuppenkrankheit (Ichthyose) und Psoriasis gehören. Das hatten die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) und der Berufsverband der Deutschen Dermatologen gegenüber dem Gemeinsamen Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen deutlich gemacht. Dieser nahm freilich Harnstoff nicht in die Ausnahmeliste rezeptfreier Präparate auf (siehe den Beitrag „Nicht verschreibungspflichtige Medikamente bei Psoriasis kaum noch auf Rezept"). „Offensichtlich lagen Ihnen unsere Recherchen... bei Ihrer Entscheidung nicht vor," kritisierten die Vorsitzenden der beiden Organisationen in einem Schreiben vom 19. Juli 2004 und sandten ein noch wesentlich erweitertes Gutachten „zu Wirksamkeit und Nutzen von Harnstoff". Die Expertise erstellte die Arbeitsgruppe Gesundheitsökonomie an der Universitäts-Hautklinik Hamburg-Eppendorf unter der Leitung von Prof. Matthias Augustin. Dazu wurden 174 Literaturstellen gesichtet. Sie belegen die klinische Wirksamkeit von Harnstoff eindeutig auch nach den Kriterien der Evidenz-basierten Medizin. Zubereitungen mit 5 bis 10 % müssten daher wieder erstattet werden, fordern die dermatologischen Fachleute. Über ihre Argumentation berichtet PSO aktuell 3/2004, S.4

 

 

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