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Hautpflege:
Wer klärt die Verbraucher sachgerecht auf?

Die übliche Körperreinigung mit schäumenden Seifen oder Syndets entzieht der Haut schützendes Fett, das sich nicht künstlich ersetzen lässt. Die kosmetische Industrie verdient doppelt, erst an der Hautschädigung, dann an allerlei Pflegeprodukten, die diese wieder beheben soll. Trockene Haut ist daher für immer mehr Menschen zu einem unlösbaren Problem geworden, warnt Prof. Eckhard Kownatzki, Leiter der Abteilung Experimentelle Dermatologie an der Universitäts-Hautklinik Freiburg.

Bei angeborener Neigung zu Schuppenflechte kann eine solche "Schmierenkosmetik" die Krankheit ständig kostentreibend in Gang halten. Infolge der gestörten Verhornung entstehen nicht ausreichend jene Fette (Lipide), die normalerweise mit den abgestorbenen Hautzellen in der obersten Schicht eine dichte Schranke bilden. Die Barriere wird durch Tenside zusätzlich geschwächt. Denn die so bezeichneten Stoffe wirken als Detergenzien (lat. detergere = reinigen), indem sie das körpereigene Fett gleichsam in Wasser hüllen, um es mit dem daran haftenden Schmutz von der Haut zu entfernen. Da ihre Moleküle sowohl Wasser als auch Fett "zugeneigte" Anteile haben, dienen Tenside bei der Herstellung von Salben, Cremes oder Lotionen zugleich als Emulgatoren, die sonst nicht mischbare Flüssigkeiten stabil ineinander verteilen.

Die Zeitschrift PSO aktuell wies wiederholt auf die befürchteten Gefahren hin. Das Bundesministerium für Gesundheit teilte nun der Redaktion mit, "die Kosmetikexpertengruppe des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin" habe "gegen den Einsatz von Tensiden in kosmetischen Mitteln keine Bedenken erhoben." Die ungenannten Fachleute meinten nämlich, derartige Substanzen würden nur das "mit Staub, Fasern, Pollen etc.“ vermengte Hautoberflächenfett in Wasser emulgieren, "ohne die Hautbarriere-Lipide zu entmischen".

Als die Firma Beiersdorf im Oktober 2000 ihre Serie "Eucerin® Trockene Haut" um "5 % Urea Waschfluid" ergänzte, räumte sie freilich ein: Die "reinigenden Substanzen unterscheiden nicht zwischen Schmutz und körpereigenen Fetten, sie lösen beides gleichermaßen von der Hautoberfläche – mit der Folge, dass die Haut trocken wird oder sich eine bestehende Hauttrockenheit verstärkt.“ Das neue Produkt soll "so mild wie Wasser" reinigen. Es enthalte "nur neun Substanzen", hebt die Werbung hervor, verschweigt allerdings, dass dazu vier Tenside gehören. Ob diese "Netzmittel" auch Fett aus der Hornschicht fischen, hängt von ihrer Konzentration und damit von der Menge noch freier Bindungsstellen ab.

Fast gleichzeitig führte die Stiefel Laboratorium GmbH Physiogel® Creme ein. Dank "der außergewöhnlichen Herstellungsweise" seien darin "konventionelle Emulgatoren" entbehrlich. Diese "können sich in der Haut anreichern und beim Waschen die wichtigen hauteigenen Lipide herauslösen“, wird die "High-Tech-Pflege“ ohne "Auswasch-Effekt" gegenüber der Konkurrenz abgegrenzt.

Mag an den zitierten Aussagen manches nur verkaufsfördernde Dichtung sein, so scheint doch die Wahrheit über Tenside nicht mehr ganz verschwiegen werden zu können. Umso unglaubwürdiger sind die Beschwichtigungen von "dermatologischen Sachverständigen", die beim gesundheitlichen Verbraucherschutz einseitig den Kosmetika-Herstellern vertrauen und die gegenteiligen Befunde z. B. in der skandinavischen oder englischen Literatur nicht zur Kenntnis nehmen (siehe auch den Beitrag Wiederherstellung der Hautbarriere?).

Einen ausführlichen Hintergrundbericht sowie Entscheidungshilfen zur Auswahl geeigneter Pflegemittel, die eine gezielte Behandlung der Schuppenflechte unterstützen können, bietet PSO aktuell 4/2000 (Dezember).

 

 

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